Im Anschluss an die Pfingstferien (7.-11. Juni) reisten die Wertinger Referendarinnen und Referendare zusammen mit weiteren Seminargruppen ab Augsburg über Mödlareuth nach Dresden und Prag. Mit einem Zwischenhalt in Oberviechtach ging es am Donnerstag schließlich wieder zurück nach Nordschwaben. Das vielfältige und informative Programm hatten Jochen Zellner von der Europäischen Akademie Bayern und Hauptmann Klaus Schedlbauer, Jugendoffizier der Bundeswehr, als Reiseleitungsteam organisiert.
MÖDLAREUTH – Das kleine Dorf, direkt auf der Grenze Bayern-Thüringen gelegen, wurde während der Teilung Deutschlands als „Little Berlin“ bekannt: Noch vor der Berliner Mauer waren dort trennende Zäune und letztendlich eine Betonmauer errichtet worden. Der auf DDR-Seite gelegene Teil des Dorfes lag 41 Jahre im scharf bewachten Sperrgebiet der DDR-Grenzanlagen. Heute vermittelt das Deutsch-Deutsche Museum vor Ort eindrucksvolle Einblicke in diesen überwundenen Abschnitt der Geschichte. Ein Teilstück der Mauer steht weiterhin als jetzt durchlässiges Bauwerk und Mahnmal in der Ortsmitte.
DRESDEN – Das „Elbflorenz“ war nur am Rande wegen seiner Pracht als barockes Ensemble Ziel für die erste Übernachtungsstation. Besuche im Militärhistorischen Museum sowie in der Offiziersschule des Heeres standen auf dem Programm. Dabei wurden einerseits die Teilung und letztendlich friedlich verlaufene Wiedervereinigung Deutschlands in einen größeren Rahmen gesetzt, andererseits die Entwicklung der Bundeswehr von der „Armee der Einheit“ zur „Armee im Einsatz“ und ganz konkret Struktur und Funktion der Offiziersschule aufgezeigt.
PRAG – Die „Goldene Stadt“ zeigte sich zwischen einigen Regenschauern in ihrer vollen Schönheit. Es war Zeit für Entdeckungen zwischen stillen Gassen und den touristisch sehr frequentierten Hotspots. Vorträge zur Sicherheits-, Asyl- und Migrationspolitik im tschechischen Innenministerium machten deutlich, dass Politik & Gesellschaft in der Tschechischen Republik mit den gleichen aktuellen Themen befasst sind wie in Deutschland. Des Weiteren gab ein Generalstabsoffizier des tschechischen Heeres Einblicke in die Modernisierung, Personalrekrutierung und Einsatzplanung zur Abschreckung Russlands. Den klaren Höhepunkt von zwei Tagen in der Hauptstadt Tschechiens stellte der Termin in der Deutschen Botschaft dar: Botschafter Dr. Peter Reuss persönlich erläuterte die Intensität und gute Qualität der deutsch-tschechischen Beziehungen und nahm sich viel Zeit für die Fragen aus der Gruppe. Bei der Führung durch die Botschaft war ein besonderer Moment das Betreten des sogenannten Genscher-Balkons. Original-Videoaufnahmen aus den Tagen im Herbst 1989, als sich teilweise bis zu 4000 DDR-Flüchtlinge auf dem Gelände der Botschaft aufhielten, bis sie schließlich in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen durften, hinterließen starken Eindruck.
OBERVIECHTACH – „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“: Dieses Motto war der Reisegruppe bereits bei vorangegangenen Programmpunkten begegnet. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen durch hybride Bedrohungen, besonders seit Februar 2022, wurden beim Besuch des Panzergrenadierbatallion 122 im Wortsinn greifbar. Die Besatzung der Kaserne bereitet sich derzeit vor auf die Verlegung zur Bundeswehr-Brigade Litauen an der NATO-Ostflanke.
Was bleibt? Ein persönlich und für die Seminargruppe bereicherndes Reiseerlebnis, Dankbarkeit für viele positive Entwicklungen in der deutschen Geschichte der letzten Jahrzehnte, Sorge bezüglich der bestehenden Bedrohungslage, Fragen zum Status der Wehrhaftigkeit in der Gesellschaft Deutschlands – und Hoffnung auf nachhaltige Bemühungen um Frieden und Sicherheit in Europa.
Bernadette Kannler, Seminarlehrerin Grundfragen staatsbürgerlicher Bildung











