Besuch der Synagoge Augsburg

Kurz vor den Herbstferien besuchten die Klassen 6 b und c mit den Lehrerinnen Anneliese Menz und Nina Kettemann das jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. Nach theoretischer Behandlung des Themas Judentum im Unterricht freuten sich die Schülerinnen und Schüler (und Lehrerinnen J) darauf vor Ort alles live begutachten zu können. In diesem Zuge gab es eine Führung durch die beeindruckende Synagoge, die allen aufgrund ihrer gigantischen Größe, ihrem düsteren und geheimnisvollen Erscheinungsbild und den vielen Details im ersten Moment den Atem raubte. Da wir aus dem Staunen erst einmal nicht mehr herauskamen, waren wir sehr froh, dass wir genügend Zeit bekamen, um alles auf uns wirken lassen zu können und Fragen zu stellen.

Eine besondere Erfahrung für die männlichen Schüler war es, dass sie vor dem Betreten der Synagoge eine Kippa aufsetzen mussten. Die Kippa ist eine kleine Kappe, die viele jüdische Männer den ganzen Tag über auf dem Kopf tragen. Sie ist ein Zeichen der Ehrfurcht vor Gott. Die kleinen Kappen bedecken nur den Hinterkopf und heißen deshalb auch Scheitelkäppchen. Es gibt sie in verschiedenen Stoffen, unterschiedlichen Farben und Mustern. Liberale Juden tragen die Kippa nur zum Gebet, wenn sie aus der Tora lesen und wenn sie essen. In einer Synagoge müssen alle Männer eine Kippa aufsetzen, auch wenn sie keine Juden sind. Diese Pflicht gab es noch nicht immer. Sie gilt „erst“ seit ungefähr 1600 Jahren.
Dies steht natürlich im Gegensatz zur evangelischen / katholischen Kirche, in welcher man seine Kopfbedeckung aus Ehrfurcht vor Gott absetzen sollte.

Das Jüdische Kulturmuseum wurde 1985 als erstes selbstständiges Museum in der Bundesrepublik zur Geschichte und Kultur der Juden in Deutschland eingerichtet. Träger ist die Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. Die Dauerausstellung dokumentiert an ausgewählten Beispielen die reiche Kultur und wechselvolle Geschichte der Juden in Augsburg und Schwaben seit dem Mittelalter bis heute. Das Museum präsentiert dies als eine Geschichte der Migration, als Abfolge von Niederlassung und Austreibung, von Integration und Ausgrenzung, von Selbstbehauptung und Anpassung, von Suchen, Finden und Verlust von Heimat.

Vor der Synagoge Augsburg
Vor der Synagoge Augsburg

Den Schwerpunkt der Sammlung bilden Ritual- und Kulturgegenstände für Synagoge und häusliche Feiern aus dem 17. bis 20. Jahrhundert. Die mehr als zwanzig Tora-Schilder der Sammlung fungieren als Leitobjekte. Eingebettet in ihren historischen Kontext erzählen sie von den religiösen Vorstellungen, der geografischen Verbreitung und dem sozialen Aufbau der einstigen jüdischen Gemeinden sowie von ihren Wechselbeziehungen mit der christlichen Mehrheitskultur.

Die Konzeption lenkt den Blick auf das Mit-, Neben- und Gegeneinander von jüdischer Minderheit und christlicher Mehrheit. Sie thematisiert religiöse Praxis im Wandel der Zeit und macht jüdische Geschichte als integralen Teil der Augsburger und der schwäbischen Geschichte deutlich.

So war es für die Schülerinnen und Schüler ganz wichtig nicht die Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten zwischen dem Juden- und dem Christentum zu erkennen und zu verstehen. Verbindend für Juden und Christen ist der Glaube an den Schöpfergott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und an die Geschichten mit Mose und den 10 Geboten, wie es in der Tora, dem Heiligen Buch der Juden und bei uns im Alten Testament niedergeschrieben steht.

Nina Kettemann